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10 Tipps zu Instagram für Streetfotografen

In Zeiten von Corona ist es für Streetfotografen recht schwer, sich dem Hobby zu widmen. Denn: Wenn während der Pandemie alle Menschen zuhause bleiben, gibt es zwangsläufig auch weniger interessante Motive. Außerdem ist man während eines Lockdowns (Anmerkung: dieser Beitrag wurde am 16.12.2020 im Zuge des erneuten Lockdowns in Deutschland geschrieben) grundsätzlich selbst gezwungen, den öffentlichen Raum zu meiden.

In diesem Beitrag dreht sich nun alles um Instagram und darum, wie wir Street-Fotografen das Beste daraus machen können. Denn da wir aktuell alle zuhause festsitzen, ist es jetzt wahrscheinlich ein wirklich guter Zeitpunkt, uns um unsere Social Media Accounts zu kümmern. Im Falle von Instagram gibt es einige Dinge, die man sich nun etwas genauer ansehen kann und somit sicherstellen kann , dass wir frisch mit aufpolierten und optimierten Profilen loslegen können, sobald wir wieder “frei” sind und zum Fotografieren raus auf die Straße können.

Streetfotografen haben eine lange Bindung zu Instagram. Aber ich muss gestehen, dass es heute bei vielen eine “Entweder-Oder”-Sache – oder fast schon eine Hassliebe – ist: Entweder die Leute lieben es und nutzen Instagram intensiv, oder sie hassen es und meiden Instagram. 

Aber bevor wir weitermachen, schauen wir uns die Vergangenheit an: In den ersten Tagen war Instagram für Fotos gedacht, die mit dem Handy gemacht wurden. Eine recht simple Art, festzuhalten, was man aufgenommen hat. Instagram galt Anfangs als Alternative zu den Facebook-Timelines für “Schreibfaule”. Und es war, seien wir mal ehrlich, nicht sehr anspruchsvoll. Schnappschüsse und Memes waren quasi der Standard. Aber im Laufe der Jahre kamen immer ernsthaftere Fotografen hinzu und es wurde mehr zu einem Schaufenster für ihre Arbeit. Es gibt auch kommerzielle High-End-Fotografen, die ihre Portfolios dort vermarkten. Und es gibt viele gesponserte Beiträge und inzwischen auch viel Werbung (und seien es die omnipräsenten Influencer). Es hat sich also wirklich sehr verändert und das Qualitätsniveau dort ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Inmitten von all dem gibt es inzwischen wie zu Beginn viele Street-Fotografen und Dokumentar-Fotografen: also ist Streetfotografie auf Instagram heutzutage massiv vertreten.

Ich persönlich denke, dass es auch ein gutes Beispiel dafür ist, wie Hashtags missbraucht werden können. Schau Dir einfach mal die Suche nach dem Hashtag “streetphotography” an: Du wirst wahrscheinlich feststellen, dass vieles von dem dann Gezeigten definitiv keine Straßenfotografie ist – wie auch immer man den Begriff “Streetfotografie” definieren will.

Schuld an diesem “Missbrauch” ist Instagram’s Hashtag/Interessen-Algorithmus. Ein Rechenspiel hierzu: Angenommen, ich habe etwa 10.000 Follower und bin Berufsfotograf. Wenn ich also nur ein Bild pro Tag mit dem Hashtag “streetphotography” poste, erreicht das ein ziemlich großes Publikum – vorausgesetzt natürlich, dass es sich einige Leute auch tatsächlich ansehen. Aber selbst wenn es nur einige wenige  tun und den Leuten meine Arbeit gefällt, könnten sie sich mein Profil ansehen, dem Link zu meiner Website folgen und dann einen Workshop oder ein Shooting buchen. In diesem Sinne funktioniert es also überaus kommerziell, reichweitenstarke Hashtags zu nutzen, um eine optimale Reichweite zu schaffen – nur sollte man aufpassen, dass man es nicht übertreibt. Ich sehe sehr, sehr regelmäßig Postings von Farbfotos mit den Hashtags “blackandwhite” und “monochrome”. 

On top ist der Hashtag ein hervorragendes Mittel um zu sehen, was andere Leute machen. Und damit meine ich Leute, deren Arbeit mich besonders interessiert. Es ist einfach eine großartige Möglichkeit, um zu verfolgen was sie machen, mit ihnen in Kontakt zu bleiben, ihre Arbeit zu betrachten und zu sehen, wie sich ihre Bilder über die Zeit entwickeln. 

Drittens – und das ist ein guter Punkt – kann es sehr inspirierend sein. Und wenn man den richtigen Leuten folgt, hat man den ganzen Tag über einen konstanten Strom von guten Arbeiten auf dem Bildschirm. Ich fühle mich dadurch inspiriert: Es macht mich kreativer in meinem eigenen Denken und bringt mich auf Ideen mögliche Projekte. Und dann schließlich ist es das, wie es benannt wurde: Ein soziales Netzwerk. Ich nutze es, um mit Leuten zu kommunizieren, die ich kenne, um neue interessante Leute kennenzulernen, um an Projekten zusammenzuarbeiten und so weiter. 

Für mich hat Instagram also definitv einen Wert. Aber ich denke auch, dass je vorsichtiger ich bin, wem ich folge, desto mehr Wert hat es. Wir können viel Zeit damit verschwenden, uns damit zu beschäftigen, wem wir folgen und wer uns folgt, und das kann sehr ablenkend sein.
Nicht umsonst gelten die sozialen Netzwerke – allen voran Instagram – zu den größten Timesinks der heutigen Zeit.

10 Tipps zu Instagram für Streetfotografen

Kommen wir zum eigentlichen Zweck dieses Textes: meinen 10 persönlichen Tipps für Straßenfotografen zur effektiven Nutzung von Instagram.

1. Follower

Wie oben erwähnt, sind Follower sehr wichtig. Ich würde aber dringend davon abraten zu versuchen, möglichst schnell viele Follower zu bekommen: Ob das nun bedeutet, bei ominösen Diensten “Pakete” zu kaufen oder sich bei einem dieser beliebten Follow- und Unfollow-Dienste anzumelden. Geh diesen Weg einfach nicht! Wirklich: Nein! Das ist zwar auf den ersten Blick “nett”, da man ja anscheinend eine sofortige Steigerung seiner Reichweite hat, aber… ein solcher “Follower” interessiert sich nicht wirklich für deine Arbeit und interagiert auch nicht mit dir.
Wenn du die richtigen (wirklich interessanten) Dinge tust, werden die Follower und Likes eventuell schon kommen. Hierzu musst du jedoch wirklich auf lange Sicht spielen und auf Qualität statt auf Quantität setzen.

2. Poste  nur deine besten Arbeiten

Im Profil werden sich die Leute einen Eindruck von dir und deiner Arbeit machen. Und dieser erste Eindruck ist wirklich wichtig: wenn den Leuten gefällt, was sie sehen, könnte das zu einigen positiven Interaktionen führen. Vielleicht sogar zu mehr – wer aber weiß, was passiert, wenn sie dort nicht deine besten Sachen sehen.
Denke immer daran, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen im Internet minimal ist. Und wenn du sie nicht sofort mit etwas Interessantem ansprichst, wird weiter gescrollt.
Auch mit zusätzlichen Inhalten sollte vorsichtig und ggf. sparsam umgegangen werden: Deine Behind-the-Scenes-Posts oder verrückten und lustigen Sachen sind unterhaltsam und erhaschen die Aufmerksamkeit. Solche Inhalte sind interessant für die Stories. Aber überlade deinen Haupt-Feed nicht damit, sondern hebe diesen nur für deine besten Arbeiten auf.

3. Komposition

Denke daran, dass die Komposition des Feeds wichtig ist!
Instagram besteht aus Horizontalen. Es ist ein Rastersystem, also achte auf eine gerade Linie und darauf, wie ein Bild mit seinen Nachbarn zusammenpasst. Nicht nur an den Seiten, sondern auch darüber und darunter. Überlege also wirklich, wie die Bilder zusammen wirken. Ob bestimmte Bilder nebeneinander stehen, wie sie auf der Seite wirken. Das ist extrem wichtig, und dein Instagram-Profil muss sich gestaltet anfühlen und nicht nur “bunt zusammengewürfelt”. 

Ich selbst nutze auf meinen iOS-Geräten (iPad Pro und iPhone) die App “Darkroom”. Diese gibt mir einen klaren, weißen Rand um meine Bilder herum (ähnlich einem Passepartout bei gerahmten Bildern) und erlaubt mir, entweder im Quer- oder im Hochformat zu posten, anstatt im quadratischen Instagram-Format. Das ist für mich eine große Sache: Ich fotografiere nicht oft quadratisch, aber wenn ich es tue, ist das in Ordnung und nützlich für Instagram. Ich komponiere normalerweise im Querformat oder gelegentlich im Hochformat, und die Verwendung eines weißen Rahmens um meine Bilder erlaubt mir einen einheitlichen und geordneten Look im Hauptfeed meines Instagram Profils.

4. konsequenter Stil

Sei konsequent in deinem Stil! Wenn du dich wirklich für viele verschiedene Genres interessierst und Instagram ernsthaft nutzen willst, würde ich vorschlagen, separate Feeds für diese verschiedenen Genres einzurichten. Du musst nun nicht zwingend viele separate Feeds nutzen, aber ich würde z.B.  deine Streetfotografie wirklich separat halten. Es ist sehr einfach, mehrere Konten auf Instagram einzurichten und darüber nachzudenken, wie jeder dieser Feeds deine “Stimme” und deinen persönlichen Stil als Fotograf widerspiegelt.

5. Präsenz und Interaktion

Das ist superwichtig! Wenn du deine Präsenz auf Instagram ausbauen willst, sei großzügig. Aber vergiss nicht, dass es sich um eine Community handelt – um ein Netzwerk. Und wir sind alle dort, weil wir uns einbringen wollen. Das geht am besten, indem wir echtes Lob und Feedback geben. Wenn sich jemand also die Mühe macht, deine Bilder zu kommentieren, erwider das mit ein paar netten Worten – es dauert nur ein paar Sekunden, und schon stehst du als guter Mensch da, der sich mit seinen Besuchern (ie. Interessenten) auch ausseinandersetzt. Super simpel, aber wichtig.

6. Regelmäßigkeit

Poste regelmäßig, aber poste nicht zu viele Bilder auf einmal. 

Ich persönlich finde, dass sich etwa ein Bild pro Woche für mich richtig anfühlt, aber mach du einfach, was für dich funktioniert. Wenn Du nur ein Bild alle paar Tage oder eines pro Tag posten kannst, ist das in Ordnung: Wenn du normalerweise zwischen 7.00 und 8.00 Uhr morgens postest, dann versuch mal, dich an diese Konvention zu halten. Das Timing ist sehr wichtig, denn wenn du den Zeitpunkt der Postings an die Aktivitätszeiten deiner Zielgruppe anpasst, entwickelt sich auch bei den Followern eine gewisse “Routine”: Denk hier einmal an die althergebrachten Abendnachrichten im Fernsehen um 20.00 Uhr. Mir fallen einige Leute in meinem Umfeld ein, die man dort schon fast als Stamm-Zuschauer werten kann. Und genau diese Loyalität der Follower möchten wir langfristig auch für unsere Instagram-Posts. 

Ich selbst habe das Gefühl, dass mein Publikum zwischen 19:00 und 20:00 Uhr abends auf Instagram aktiv ist: Das funktioniert gut für mich und ich erhalte dann die meiste Aufmerksamkeit für meine Beiträge. Versuch es einfach mal selbst! Du wirst unter Umständen feststellen, dass z.B. der Nachmittag für dich am besten geeignet ist – passe deine Posts dann einfach entsprechend an.
Generell denke ich  dass es einige gute Zeitpunkte am Tag gibt, welche für Posts sinnvoll sind: Wenn die Leute frühstücken, wenn sie zur Arbeit fahren, wenn sie nach Hause gehen…
Aber ich denke, es kommt auch darauf an, in welcher Zeitzone sie arbeiten und wen du ansprechen willst.

7. Weniger ist mehr!

Lass die Finger von Emojis, Wasserzeichen, überlagerten Texten und dergleichen im Bild. Diese Elemente sind in Stories okay. Auch sind sie in den Bildbeschreibungen nutzbar, aber bitte sie nicht innerhalb deiner Bilder im Hauptfeed. Auch wenn Emojis und dergleichen ihren Platz online haben, können sie oft nur die Ästhetik verderben. Was mit den oben genannten Tipps sorgfältig kuratiert wurde, kann mit solchen “Stör-Elementen” schnell wieder zunichte gemacht werden.

8. Hashtags

Die Verwendung von Hashtags ist bei Instagram essentiell, aber missbrauche sie nicht. Hashtags sind wirklich wichtig, um die Aufmerksamkeit auf deinen Beitrag zu lenken. Aber schau dir (wie oben im Beispiel zum Hashtag “streetphotography”) Hashtags an, bevor du sie verwendest.
Hast du ein passendes Set an Hashtags gefunden, speichere sie, so dass du mit der Zeit einen gesunden Grundstock an passenden Hashtags zur Verfügung hast, aus dem du wählen kannst.
Verwende keine Hashtags, die nicht zum Posting passen und die nur aufgrund ihrer Reichweite “interessant” scheinen.
Im Gegenteil: Wenn wir die richtigen Hashtags (und auch nur die relevanten!) verwenden, können wir auch nur die relevanten bzw. interessierten Leute erreichen und ihnen dabei helfen, dich und deine Arbeit zu entdecken.

Und im besten Falle gewinnst du so einen Follower.

9. Bildunterschriften

Long Story short: Bildunterschriften bzw. Beschreibungstexte sind sehr wichtig. Die Leute mögen Bildunterschriften. Manchmal erkläre ich eine Aufnahme und beschreibe ihren Kontext. Vielleicht eine bestimmte Technik, die ich verwendet habe, oder etwas über den Ort, an dem das Bild entstanden ist. Es hängt nicht zwingend davon ab, wie viel du hineinschreibst, aber sag zumindest etwas über das Bild. Für mich ist es das Mindeste, dem Bild einen Titel zu geben und den Ort (ggf. mit dem Datum) anzugeben. Es gibt eine Menge Untersuchungen, die zeigen, dass die Leute sich mehr engagieren wenn sie zusätzliche Infos zu dem Bild bekommen.
Also lohnt es sich, ein paar Sekunden mehr dafür aufzuwenden und sich mehr mit den Bildunterschriften auseinandersetzen.

10. Workflow

Schaff dir einen einfachen Arbeitsablauf!  Ja, natürlich kannst du deine Bilder direkt von deinem mobilen Gerät aus posten – das war ja nunmal der urspüngliche Zweck und Gedanke hinter Instagram. Ich weiß aber, dass viele Leute sich zurückhalten, Instagram zu nutzen: Sie denken, dass sie nur Bilder posten können, die sie mit ihrem Handy aufgenommen haben. Das ist so nicht ganz richtig.
Ich habe Lightroom CC, das mit allen Geräten synchronisiert wird und auf das ich von überall aus zugreifen kann, sodass alle meine Bilder in Lightroom CC verfügbar sind. Sobald ich also das Bild identifiziert habe, das ich auf Instagram posten möchte, klicke ich in Lightroom auf die Schaltfläche “Teilen” und teile es zunächst mit Darkroom, der oben erwähnten App, die mir diese schönen weißen Rahmen gibt. Ich habe meine meist verwendeten Hashtags in einer Notiz in der Notizen-App gespeichert und ich kopiere einfach einige von ihnen in den Post. Nicht alle – aber einige von ihnen (die zum Bild passenden und relevanten). Nun füge ich so viele bildspezifische Hashtags wie möglich hinzu, so dass ich mein passendes Set im Post habe. Die dort verwendeten Hashtags kopiere ich nun wieder in eine Notiz, so dass ich sie für die Zukunft erneut verwenden kann.
Glaub aber nicht, dass du die Posts ausschließlich vom Handy oder Tablet erstellen musst. Es ist ohne großen Aufwand möglich, direkt von einem PC oder Mac aus zu posten. Hierfür gibt es einen kleinen Hack, indem man den Browser mit der Darstellung eines Mobilgerätes nutzt. Das funktioniert ganz gut – probier es einfach mal selbst aus. Ich persönlich arbeite mit Instagram aber am Liebsten vom iPad (mit der leider noch nicht nativ für iPads optimierten Instagram-App für das iPhone), denn dort bearbeite und kuratiere ich meine Bilder – unabhängig davon, ob ich sie poste.

So nutze ich Instagram, ich mache mir keinen Stress darüber, wie viele Follower oder Likes ich habe. Ich genieße es als das, was es ist und nutze es so gut ich kann. Wenn du mir nun auf Instagram folgen möchtest, wäre das natürlich großartig.
Auch bin ich offen für gemeinsame Projekte (siehe oben) – egal ob gemeinsame Fotoprojekte oder produktbasierte Kooperationen.

Dieser Beitrag ist zum Ende des Jahres 2020 und läutet für meinen Blog quasi den “Startschuss” einer ganzen Serie über Streetfotografie und dazugehörige Themen ein – und ich hoffe, dieser Beitrag hat dir gefallen und du schaust bald wieder rein.